// Leitfaden · Wundfotografie

Wundfotos, die man vergleichen kann.

Ein Wundverlauf lebt von Bildern, die sich vergleichen lassen: gleicher Abstand, gleiches Licht, Maßstab im Bild, Einwilligung geklärt. Üben Sie die Aufnahme am Modell und nehmen Sie eine Checkliste fürs Team mit.

wundfoto: sieben regeln, ein vorher
01vorher      → rechtsgrundlage, dienstgerät, ablage in der akte02abstand     → immer gleich, wunde mit rand im bild03winkel      → senkrecht über der wunde04licht       → gleichmäßig, ohne schatten und blitzreflex05maßstab     → einmal-lineal neben der wunde06hintergrund → neutral, nichts privates07kennung     → pseudonym, datum, lokalisation08fokus       → scharf auf den wundgrund
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Warum vergleichbare Fotos zählen

Eine chronische Wunde wird oft über Wochen und Monate begleitet, von mehreren Beteiligten und in wechselnden Schichten. Das Foto ist dabei das Element der Dokumentation, das alle auf einen Blick verstehen. Es hilft aber nur, wenn sich zwei Bilder nebeneinanderlegen lassen, ohne dass Abstand, Winkel oder Licht den Eindruck verfälschen.

Den Verlauf sehen

Ob eine Wunde kleiner wird, sich der Wundgrund verändert oder der Rand aufweicht, zeigt sich oft erst im Vergleich über Wochen. Das funktioniert nur, wenn die Bilder unter gleichen Bedingungen entstehen.

Dieselbe Wunde für alle

Pflegedienst, Hausarztpraxis, Wundzentrum und Homecare-Versorger sehen die Wunde zu verschiedenen Zeiten. Ein vergleichbares Foto gibt allen dieselbe Grundlage, auch wenn sie nicht am selben Tag beim Patienten sind.

Therapie und Verordnung begründen

Warum eine Auflage gewechselt, eine Kompression angepasst oder ein Wundzentrum hinzugezogen wurde, lässt sich mit einem nachvollziehbaren Bildverlauf besser erklären, auch Monate später.

Die Beschreibung stützen

Ein Foto ersetzt die schriftliche Wundbeschreibung nicht, es ergänzt sie. Zusammen mit Messwerten und Text wird der Verlauf für Kolleginnen, Kollegen und Prüfungen nachvollziehbar.

Was außer dem Foto in eine vollständige Wunddokumentation gehört, zeigt der Leitfaden Wunddokumentation. Wie aus vergleichbaren Fotos ein vermessener Verlauf wird, beschreibt der Leitfaden für Wundzentren.

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Wo es hakt

Selten fehlt die Kamera. Es fehlt ein gemeinsamer Standard und ein sicherer Ort für die Bilder:

Jedes Foto anders

Mal von schräg oben, mal ganz nah, mal mit Blitz. Jedes Bild für sich ist brauchbar, nebeneinander gelegt sagen sie wenig.

Kein Maßstab im Bild

Ohne Lineal lässt sich nicht sagen, ob die Wunde kleiner geworden ist oder nur weiter weg fotografiert wurde.

Das private Handy

Schnell gemacht, aber dann liegt das Foto in der privaten Galerie, in einer Cloud-Sicherung oder im Messenger. Für Gesundheitsdaten ist das der falsche Ort.

Fotos ohne Zuordnung

Ein Ordner voller Bilder ohne Datum, Kennung und Lokalisation. Wer welches Bild wann gemacht hat, weiß nach zwei Wochen niemand mehr.

Unruhiger Hintergrund

Bettwäsche, Kaffeetasse, ein Brief mit Adresse: Was nebenbei ins Bild kommt, lenkt ab und verrät oft mehr, als es soll.

Bilder per Fax oder Ausdruck

Aus einem Farbfoto wird eine graue Fläche. Gewebe und Wundrand sind nicht mehr zu erkennen, und sicher ist der Weg auch nicht.

03

Das Fotostudio

Üben Sie die Aufnahme am Modell. Abstand, Winkel, Licht, Maßstab, Hintergrund, Kennzeichnung und Fokus verändern das Bild im Sucher sofort, der Qualitäts-Check darunter sagt, warum. Bevor der Auslöser frei wird, klären Sie Einwilligung, Gerät und Ablage. Nehmen Sie dann ein Bild in Woche 1 und eines in Woche 3 auf und vergleichen Sie beide.

Interaktiv · Fotostudio
  1. Filmstreifen leer

Vor der ersten Aufnahme: Einwilligung, Gerät und Ablage klären.

Vor der ersten Aufnahme

Wundfotos sind Gesundheitsdaten. Erst wenn geklärt ist, dass Sie fotografieren dürfen, womit und wo das Bild landet, wird der Auslöser frei.

Einstellungen
Abstandnah
zu nahzu weit
Winkelschräg, 30°
schrägsenkrecht
LichtDeckenlicht
Maßstabkein Lineal
Hintergrundunruhig
Kennzeichnungkein Etikett
Fokusunscharf
nahfern
Qualitäts-Check
0 von 7 Regeln erfüllt
  • Abstand: nicht erfüllt

    Zu nah: Wundrand und Umgebung fehlen im Bild.

  • Winkel: nicht erfüllt

    30° schräg: Die Form wird verzerrt.

  • Licht: nicht erfüllt

    Deckenlicht wirft Schatten und einen Farbstich.

  • Maßstab: nicht erfüllt

    Ohne Maßstab ist die Größe nicht vergleichbar.

  • Hintergrund: nicht erfüllt

    Tasse, Brief und Telefon lenken ab und verraten zu viel.

  • Kennung: nicht erfüllt

    Ohne Kennung lässt sich das Foto später kaum zuordnen.

  • Fokus: nicht erfüllt

    Unscharf: Abstand geändert, Fokus nicht nachgezogen?

Stilisiertes Übungsmodell, kein echtes Wundbild · fiktive Kennung · bewährte Praxis, vereinfacht · keine Messung, keine medizinische Aussage

Das Modell ist eine stilisierte Illustration, kein echtes Wundbild. Die Demo zeigt Prinzipien der Aufnahme, sie misst nichts und trifft keine medizinische Aussage.

04

Die sieben Regeln

Keine dieser Regeln ist neu. Bewährt haben sie sich, weil sie aus vielen einzelnen Fotos einen Verlauf machen. Wichtiger als jedes Detail ist, dass alle im Team gleich fotografieren.

Abstand
Immer gleich, Wunde mit Rand im Bild

Zu nah fehlen Rand und Umgebung, zu weit gehen Details verloren. Welcher Abstand gilt, legt der Hausstandard fest, und alle halten sich daran.

Winkel
Senkrecht über der Wunde

Die Kamera parallel zur Hautoberfläche. Schon ein schräger Blick verzerrt die Form, die Wunde wirkt kürzer oder länger, als sie ist.

Licht
Gleichmäßig und immer gleich

Ohne harte Schatten, ohne Farbstich, ohne Blitzreflex auf feuchtem Wundgrund. Bewährt ist dasselbe Licht bei jeder Aufnahme, etwa helles Tageslicht.

Maßstab
Einmal-Lineal neben der Wunde

Auf Höhe der Haut, ohne die Wunde zu berühren oder den Rand zu verdecken. Erst der Maßstab macht Größen vergleichbar und eine digitale Vermessung möglich.

Hintergrund
Neutral und ruhig

Eine einfarbige Unterlage, nichts Privates im Bild: keine Briefe, keine Fotos, keine Gesichter, kein Schmuck, der den Menschen erkennbar macht.

Kennung
Pseudonym, Datum, Lokalisation

So bleibt das Foto eindeutig zugeordnet, ohne dass der Name im Bild steht. Die Lokalisation immer gleich beschreiben, etwa Körperseite, Region und Lage.

Fokus
Scharf auf den Wundgrund

Nach jeder Änderung des Abstands neu scharfstellen. Ein unscharfes Bild zeigt weder Gewebe noch Wundrand und ist für den Verlauf verloren.

Bewährte Praxis, vereinfacht dargestellt. Maßgeblich sind die Standards Ihrer Einrichtung, der Expertenstandard und die einschlägigen Leitlinien. Legen Sie Abstand, Licht und Kennzeichnung einmal fest und schreiben Sie sie auf.

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Einwilligung und Datenschutz

Ein Wundfoto ist schnell gemacht und schwer wieder einzufangen. Deshalb gehört die Klärung vor die erste Aufnahme, nicht danach:

Gesundheitsdaten
Besonders geschützt nach Art. 9 DSGVO

Ein Wundfoto zeigt den Gesundheitszustand eines Menschen und ist damit ein Gesundheitsdatum. Es braucht eine tragfähige Rechtsgrundlage, und der Schutz muss dazu passen.

Rechtsgrundlage
Einwilligung oder andere Grundlage, dokumentiert

Welche Grundlage trägt, hängt vom Zweck ab: Fotos für die Behandlungsdokumentation sind anders zu bewerten als Bilder für Fortbildung oder Fallvorstellung. Wie Ihre Einrichtung das regelt und dokumentiert, legt sie in ihrem Verfahren fest.

Gerät
Dienstgerät oder freigegebene App

Kein Privat-Handy, keine private Galerie, keine automatische Cloud-Sicherung nebenbei. Fotografiert wird mit einem Gerät und einer App, die die Einrichtung dafür vorgesehen hat.

Ablage
In der Akte, nicht im Messenger

Das Foto gehört zur Dokumentation und wird dort abgelegt, wo auch der Rest der Akte liegt: geschützt, zugeordnet und mit Rollen, die festlegen, wer es sehen darf.

Weitergabe
Nur auf sicheren Wegen

Wer Bilder an Hausarztpraxis, Wundzentrum oder Pflegedienst gibt, braucht eine Grundlage und einen sicheren Weg, etwa KIM oder einen geschützten Zugang zur gemeinsamen Akte. Fax, E-Mail und private Messenger sind dafür nicht gedacht.

Schweigepflicht
Gilt auch für Bilder

Was für die Akte gilt, gilt für das Foto: Es geht nur an die, die an der Versorgung beteiligt sind und es für ihre Aufgabe brauchen.

Aufbewahrung
Wie der Rest der Dokumentation

Als Teil der Dokumentation gelten für Fotos die Aufbewahrungs- und Löschregeln, die Ihre Einrichtung für die Akte festgelegt hat. Kopien auf Geräten oder in Postfächern sollten gar nicht erst entstehen.

Vereinfacht dargestellt, ersetzt keine Rechtsberatung und keine Einzelfallprüfung. Welche Rechtsgrundlage trägt und wie sie dokumentiert wird, klären Sie mit Ihrer oder Ihrem Datenschutzbeauftragten.

06

Die Taschenkarte fürs Team

Ein Standard hilft nur, wenn er beim Verbandwechsel griffbereit ist. Stellen Sie aus den Regeln eine Karte im Format A6 zusammen, tragen Sie Ihre Hausregeln ein und drucken Sie sie aus oder kopieren Sie den Text in Ihr Handbuch.

Interaktiv · Taschenkarte
Regeln auf der Karte
Bei uns gilt

Wundfoto · Taschenkarte
Pflegedienst Beispielstadt
  1. 1Abstand · Immer derselbe Abstand, Wunde mit Rand und etwas Umgebung im Bild
  2. 2Winkel · Kamera senkrecht über der Wunde, parallel zur Hautoberfläche
  3. 3Licht · Gleichmäßiges, immer gleiches Licht, ohne harte Schatten und Spiegelungen
  4. 4Maßstab · Einmal-Lineal neben der Wunde, auf Höhe der Haut, ohne sie zu berühren
  5. 5Hintergrund · Neutrale, einfarbige Unterlage, nichts Privates im Bild
  6. 6Kennung · Pseudonyme Kennung, Datum und Lokalisation, kein Klarname im Bild
  7. 7Fokus · Scharf auf den Wundgrund, nach jeder Abstandsänderung neu fokussieren
Vorderseite · A6
Fiktive Einrichtung · Vorlage, an Ihren Hausstandard anpassen · bewährte Praxis, vereinfacht
07

Wo WUNDigital ansetzt

08

So gehen wir bei der Wundfotografie vor

  1. 01

    Analysieren

    Wir schauen uns an, wie heute fotografiert wird: mit welchen Geräten, wohin die Bilder gehen, wie sie zugeordnet und weitergegeben werden und wo Privat-Handy, Messenger oder Fax einspringen.

  2. 02

    Migrieren

    Fotos und Verlauf ziehen schrittweise in eine sichere Ablage, die an Ihre Akte anschließt, in europäischen Rechenzentren und mit Einverständnis und Akzeptanz des Teams. Den Fotostandard legen wir gemeinsam fest.

  3. 03

    KI gezielt integrieren

    Erst dann kommt KI dazu, etwa als Hinweis auf ein schräges oder unscharfes Foto oder als Konturvorschlag für die Vermessung. Eingebettet in Ihre Abläufe, und entscheiden tut ein Mensch.

Mehr zu unserem Vorgehen

09

Häufige Fragen

Dürfen wir Wundfotos mit dem Smartphone machen?

Mit einem Dienstgerät und einer App, die Ihre Einrichtung dafür freigegeben hat, ja. Entscheidend ist, dass das Foto direkt in der Akte landet und nicht in der Galerie, in einer privaten Cloud oder im Messenger. Private Handys sind für Wundfotos der falsche Weg.

Brauchen wir für jedes Foto eine Einwilligung?

Das hängt von der Rechtsgrundlage und vom Zweck ab. Fotos für die Behandlungsdokumentation sind anders zu bewerten als Bilder für Fortbildung oder Fallvorstellung, für die in aller Regel eine eigene Einwilligung oder eine wirksame Anonymisierung nötig ist. Wir klären das mit Ihnen und Ihrer oder Ihrem Datenschutzbeauftragten, vereinfacht und ohne Ihre Rechtsberatung zu ersetzen.

Gehört der Name des Patienten ins Bild?

Besser nicht. Bewährt hat sich eine pseudonyme Kennung mit Datum und Lokalisation, im Bild oder in den Daten, die mit dem Foto gespeichert werden. Die Zuordnung zum Namen leistet die Akte. Wie genau Sie kennzeichnen, legt Ihr Hausstandard fest.

Kann die Software die Wunde aus dem Foto vermessen?

Digitale Vermessung am Foto ist möglich, wenn ein Maßstab im Bild ist, und sie ist umso verlässlicher, je standardisierter das Foto entsteht. Wie das aussehen kann, zeigt der Leitfaden für Wundzentren. Jede Messung prüft und bestätigt ein Mensch, und ob eine solche Software ein Medizinprodukt ist, klären wir vor dem Einsatz.

Ersetzt WUNDigital unsere Pflege- oder Praxissoftware?

Nein. Wir bauen um Ihre bestehende Software herum: eine sichere Foto-Ablage, die an Ihre Akte anschließt, Schnittstellen und Automatisierung dort, wo heute Fotos per Messenger, Fax oder USB-Stick wandern.

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