// Leitfaden · Datenmigration

Altdaten umziehen: erst die Probemigration, dann der Stichtag.

Beim Wechsel in die Cloud müssen Jahre an Akten, Wundverläufen und Stammdaten mit. Spielen Sie eine Probemigration durch, sehen Sie, woran Datensätze scheitern, und planen Sie den Stichtag so, dass am Montag niemand ohne Akte dasteht.

migration: auf einen blick
01bestand     → was liegt wo, in welchem format02entscheiden → migrieren · archivieren · löschen03mapping     → feld für feld, schriftlich04probelauf   → stichprobe, gründe, nachbessern05testlauf    → alle daten, abnahme mit dem team06stichtag    → freeze, import, prüfung, go-live
01

Ausgangslage

Über Jahre ist in jeder Einrichtung ein Bestand gewachsen: Stammdaten in der Fachsoftware, Akten auf dem Netzlaufwerk, Wundfotos in Kamera-Ordnern, Verordnungen im Fax-Eingang, Abrechnungsdaten beim Dienstleister. Beim Umzug vom eigenen Server in die Cloud muss all das an einen neuen Ort, ohne dass die Versorgung stockt.

Dieser Leitfaden beschreibt den Umzug selbst: Bestand, Entscheidung, Mapping, Probelauf, Abnahme und Stichtag. Welche Daten welchen Schutz brauchen und in welchen Wellen umgezogen wird, steht im Leitfaden Cloud-Migration. Austauschformate erklärt die FHIR-Werkstatt.

Stammdaten
Pflegesoftware, Praxisverwaltung, Excel-Listen

Name, Geburtsdatum, KVNR, Kasse, Kontakte, Angehörige

Akten & Dokumente
Netzlaufwerk, Scanordner, Papier

PDF, Scans, Word-Dateien, oft ohne Ordnungssystem

Wundverläufe
Wunddoku-Modul, Tabellen, Kamera-Ordner

Messwerte, Beschreibungen, Fotos mit oder ohne Datum

Verordnungen
Pflegesoftware, Ablage, Fax-Eingang

Häusliche Krankenpflege, Hilfsmittel, Genehmigungen

Abrechnungsdaten
Abrechnungsmodul, Dienstleister

Leistungsnachweise, offene Posten, Absetzungen

02

Migrieren, archivieren oder löschen

Nicht jeder Datensatz muss umziehen. Behandlungsunterlagen unterliegen Aufbewahrungspflichten, für die Patientenakte etwa zehn Jahre nach Abschluss der Behandlung (§ 630f BGB). Für Abrechnungs- und Steuerunterlagen gelten eigene Fristen. Zugleich verlangt die DSGVO, Daten zu löschen, die nicht mehr gebraucht werden und für die keine Aufbewahrungspflicht mehr besteht.

Migrieren
Was im Alltag gebraucht wird

Laufende Versorgungen, aktive Stammdaten, offene Verordnungen, Wundverläufe laufender Fälle mit Fotos.

Nur lesend archivieren
Was aufbewahrt, aber nicht bearbeitet wird

Abgeschlossene Behandlungen innerhalb der Aufbewahrungsfrist, alte Abrechnungsjahre. Lesbar, durchsuchbar, nicht mehr änderbar.

Löschen, wenn die Frist abgelaufen ist
Was niemand mehr braucht und niemand mehr haben darf

Daten nach Ablauf der Aufbewahrungsfrist, Test- und Doppelbestände. Löschen mit Protokoll, nicht nebenbei.

Welche Daten Sie wofür und wie lange verarbeiten, steht im Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten. Es ist die beste Grundlage für diese Entscheidung. Konkrete Fristen klären Sie im Einzelfall mit Ihrer Datenschutzbeauftragten.

03

Wo es hakt

Formate, die das Ziel nicht kennt

Zweistellige Jahreszahlen, Kassen als Freitext, Diagnosen in Freitextfeldern. Jedes Altsystem hat seine Eigenheiten.

Fotos ohne Zusammenhang

Wundfotos liegen oft als lose Dateien vor. Ohne Aufnahmedatum und Zuordnung zur Wunde ist der Verlauf nicht mehr nachvollziehbar.

Dubletten

Dieselbe Person zweimal angelegt, einmal mit „ae“, einmal mit „ä“. Wer blind importiert, verdoppelt das Problem.

Wissen in Freitext

Allergien, Absprachen mit Angehörigen, Hinweise zur Lagerung. Was nicht in ein Feld passt, darf trotzdem nicht verloren gehen.

Kein Weg zurück

Ohne unberührte Sicherung des Altsystems und klaren Rollback-Punkt wird aus einem Problem am Stichtag ein Problem für Wochen.

Das Team erfährt es zuletzt

Ein neues System, das am Montag einfach da ist, wird nicht angenommen. Migration ist auch Kommunikation.

Vieles davon lässt sich vor dem Umzug in der Quelle bereinigen. Wie das geht, zeigt der Leitfaden Datenqualität. Erst bereinigen, dann migrieren: Das spart Probeläufe.

04

Die Probemigration

Bevor alle Daten umziehen, läuft eine Stichprobe durch genau die Regeln, die später gelten sollen. Jeder Datensatz kommt an, kommt mit Hinweis an oder wird abgelehnt, und zwar mit Grund. Probieren Sie es an zwanzig fiktiven Datensätzen aus.

Interaktiv · Probemigration

So geht’s: Regeln einstellen, „Probelauf“ drücken, Gründe lesen, nachbessern. Abnahme gibt es erst, wenn kein Datensatz mehr abgelehnt wird.

Mapping-Regeln
Datum TT.MM.JJ
Feld „Kasse“
Dubletten
Wundfotos
Freitext
Pflichtfeld leer
0 übernommen0 mit Hinweis0 abgelehnt
Altsystem6 RegelnZielsystem

Noch kein Probelauf.

Fiktive Daten und Kassen · vereinfacht, ersetzt keine Einzelfallprüfung

Wichtig: Eine Regel, die Fehler „wegschaltet“, ist nicht automatisch richtig. Ein Platzhalter für eine fehlende KVNR bedeutet Nacharbeit, und jede zusammengeführte Dublette sieht ein Mensch an, bevor sie gilt.

05

Von der Stichprobe zur Abnahme

  1. 01

    Bestand aufnehmen

    Welche Daten liegen wo, in welchen Formaten, wer pflegt sie. Dazu gehören auch Excel-Listen und Ordner, die niemand „System“ nennen würde.

  2. 02

    Entscheiden und bereinigen

    Migrieren, archivieren oder löschen, entlang der Aufbewahrungsfristen. Danach Dubletten und Formatfehler in der Quelle bereinigen, nicht erst im Ziel.

  3. 03

    Mapping festlegen

    Feld für Feld: woher, wohin, mit welcher Umwandlung. Jede Regel wird aufgeschrieben, damit Stichtag und Testmigration dieselben Regeln nutzen.

  4. 04

    Probemigration mit Stichprobe

    Ein kleiner, bewusst gemischter Ausschnitt, gern mit den schwierigen Fällen. Gründe lesen, Regeln nachbessern, erneut laufen lassen.

  5. 05

    Vollständige Testmigration

    Alle Daten in eine Testumgebung, Zählungen gegen die Quelle, Stichproben durch das Team. Erst danach die Abnahme.

  6. 06

    Stichtag und Parallelbetrieb

    Freeze, Export, Import, Prüfung, Go-live. Das Altsystem bleibt eine Zeit lang lesbar, der Rollback-Punkt ist vorher vereinbart.

06

Stichtag, Parallelbetrieb, Rollback

Der Stichtag ist kein Sprung ins Ungewisse, sondern ein Ablaufplan. Vorher steht fest, wer was tut, woran die Prüfung gemessen wird und bis wann ein Rollback möglich ist. Nach dem Go-live bleibt das Altsystem für eine vereinbarte Zeit lesbar, damit niemand ohne Akte dasteht.

Interaktiv · Stichtag

Etappe antippen. Was passiert, wenn die Prüfung scheitert?

Rollback möglich bis vor Go-live
Parallel­betrieb
Fr · Dienstende · Freeze

Im Altsystem wird nichts mehr angelegt oder geändert. Was dringend ist, landet auf einem vereinbarten Papierformular und wird nach dem Go-live nachgetragen.

Wer: Leitung kündigt an, Team weiß Bescheid

Wenn es hakt

Wer den Freeze nicht kennt, schreibt ins Altsystem. Deshalb vorher ankündigen, am Tag selbst noch einmal erinnern.

Beispielhafter Ablauf über ein Wochenende · vereinfacht
07

Mit dem Team, nicht am Team vorbei

Früh einbinden

Wer täglich dokumentiert, weiß, welche Felder wirklich genutzt werden und wo Wissen im Freitext steckt.

Am Mapping mitprüfen

Pflegefachkräfte und Wundexpertinnen sehen in der Probemigration ihre eigenen Fälle und sagen, ob der Verlauf stimmt.

Abnahme gemeinsam

Die Abnahme unterschreibt nicht die Technik allein. Das Team bestätigt, dass es mit den Daten arbeiten kann.

Schulung vor dem Stichtag

Das neue System kennt das Team aus der Testumgebung, bevor es damit arbeiten muss.

Wer wann was erfährt und mitentscheidet, lässt sich mit dem Leitfaden Team mitnehmen planen. Die Schulungen rund um den Stichtag strukturiert der Schulungsplaner.

08

Wo die Module ansetzen

09

So gehen wir vor

  1. 01

    Analysieren

    Wir nehmen Ihre bestehenden Systeme und Ablagen auf, vom Fachprogramm bis zum Scanordner, und begleiten Ihr Team einen Tag im Alltag.

  2. 02

    Migrieren

    Sinnvoll statt vollständig, mit dem Einverständnis und der Akzeptanz der Mitarbeitenden, in Cloud-Lösungen in europäischen Rechenzentren. Probelauf, Testmigration und Stichtag planen wir gemeinsam.

  3. 03

    KI gezielt integrieren

    Erst wenn die Daten sauber umgezogen sind, setzen wir KI dort ein, wo sie im Alltag entlastet, etwa beim Zuordnen von Dokumenten. Entschieden wird weiter vom Team.

Müssen alle Altdaten in das neue System?

Nein. Was im Alltag gebraucht wird, zieht um. Was nur aufbewahrt werden muss, kann lesend archiviert werden, und was nach Ablauf der Frist niemand mehr haben darf, wird mit Protokoll gelöscht. Das entscheiden wir gemeinsam mit Ihnen und Ihrer Datenschutzbeauftragten.

Wie lange müssen wir ohne System auskommen?

So kurz wie möglich, meist über ein Wochenende. Zwischen Freeze und Go-live arbeitet das Team mit einem vereinbarten Notfallformular. Wie lange es konkret dauert, zeigt die vollständige Testmigration.

Was passiert mit unserer Pflege- oder Praxissoftware?

Sie bleibt, wenn sie zu Ihnen passt. Wir ersetzen keine Fachsoftware, sondern ziehen Daten und Ablagen sinnvoll um und bauen Schnittstellen um das, was Sie schon nutzen.

Was, wenn am Stichtag etwas schiefgeht?

Dafür gibt es den Rollback-Punkt. Bis zum Go-live kann jederzeit ins unveränderte Altsystem zurückgekehrt werden. Das ist geplant und kein Scheitern.

Gehen bei der Migration Wundfotos verloren?

Das darf nicht passieren. Fotos ziehen mit ihren Metadaten um, also mit Aufnahmedatum und Zuordnung zur Wunde. Fehlt das im Altsystem, klären wir vorher, wie die Zuordnung hergestellt wird.

Wo liegen die Daten danach?

In Cloud-Lösungen in europäischen Rechenzentren, mit Auftragsverarbeitungsvertrag und abgestimmten Zugriffsrechten. Was vor Ort bleiben soll, bleibt vor Ort.

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