Videosprechstunde, Telekonsil, sicher geteilte Fotos: Wenn die Wundexpertin nicht vor Ort sein kann, kommt der Blick per Bildschirm. Was es dafür braucht, wie ein gutes Telekonsil abläuft und wo die Grenzen liegen.
01vorbereiten → einwilligung, fotos vorab, aktuelle doku02verbinden → zertifizierter dienst, ruhiger raum, plan b03zeigen → die expertin führt die kamera04vereinbaren → befund, empfehlung, nächste kontrolle05dokumentieren → beide seiten, ergebnis in die akte
Chronische Wunden werden über Wochen und Monate versorgt, meist von der Pflege, zu Hause oder im Heim. Die Wundexpertin, das Wundzentrum oder die Fachpraxis sieht die Wunde dagegen nur in Abständen. Dazwischen liegen Wege, Wartezeiten und viele Fragen, die sich mit einem Blick klären ließen.
Auf dem Land liegt das nächste Wundzentrum oft weit entfernt. Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität heißt jeder Termin: Transport organisieren, Begleitung finden, einen halben Tag einplanen.
Bis ein Termin bei der Wundexpertin oder in der Fachpraxis frei ist, vergeht Zeit. Die Wunde wartet nicht, und die Pflege versorgt in der Zwischenzeit nach dem letzten Stand.
Wenige Expertinnen und Experten betreuen viele Wunden über große Gebiete. Jede Stunde im Auto fehlt in der Versorgung, und nicht jede Frage braucht einen Hausbesuch.
Was die Expertin beim Besuch gesehen und gesagt hat, kommt oft nur mündlich oder spät per Brief an. Die nächste Schicht fängt dann wieder bei null an.
Telemedizin holt den Blick der Expertin dorthin, wo die Wunde ist. Nicht als Ersatz für jeden Besuch, sondern für die vielen Momente dazwischen.
„Telemedizin“ ist ein Sammelbegriff. In der Wundversorgung begegnen Ihnen vor allem diese Formen, vereinfacht dargestellt:
Die Ärztin sieht die Wunde per Video, die Pflegekraft führt die Kamera und ergänzt, was sie beobachtet hat. In der vertragsärztlichen Versorgung läuft das über zertifizierte Videodienstanbieter.
Eine Ärztin holt die Einschätzung einer Kollegin ein, etwa aus dem Wundzentrum oder einer anderen Fachrichtung. Fragestellung, Befunde und Fotos gehen auf sicherem Weg, die Antwort kommt als Konsilbericht. Für festgelegte Fälle ist das Telekonsil in der Regelversorgung abrechenbar.
Die Pflegefachkraft bespricht eine Wunde mit der Wundexpertin des eigenen oder eines kooperierenden Dienstes. Wie das organisiert und vergütet ist, regeln Träger und Verträge, nicht ein einheitlicher Katalog.
Alle Beteiligten stimmen den Plan zusammen ab, ohne dass jemand fahren muss. Gerade bei schwierigen Verläufen spart das Missverständnisse zwischen den Sektoren.
Nicht alles braucht ein Gespräch in Echtzeit. Gute Fotos mit Maßstab und ein kurzer Befund reichen oft für eine erste Einschätzung, das Video klärt dann die offenen Fragen.
Die ärztlichen Berufsordnungen erlauben eine Behandlung ausschließlich über Kommunikationsmedien im Einzelfall, wenn das ärztlich vertretbar ist. Was die Kamera nicht leisten kann, bleibt trotzdem vor Ort:
Temperatur, Spannung, Ödem, Unterminierung, ob der Rand nachgibt: Das ertastet die Hand am Bett, nicht die Kamera.
Geruch überträgt kein Bildschirm. Puls, Durchblutung oder Sensibilität brauchen eine Untersuchung vor Ort.
Wo die Ursache noch nicht geklärt ist, steht am Anfang eine Untersuchung, keine Videoschalte.
Bei Lebensgefahr gilt die 112, außerhalb der Sprechzeiten der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117. Telemedizin ersetzt keinen Notruf.
Vereinfacht dargestellt, ersetzt keine Rechtsberatung. Welche Leistung wie abgerechnet werden kann, hängt von Versorgungsform, Beteiligten und Verträgen ab und ändert sich. Das klären Sie mit Ihrer Abrechnung und Ihrer Kassenärztlichen Vereinigung.
Spielen Sie ein Telekonsil durch: Die Pflegekraft ist mit dem Tablet am Bett, die Wundexpertin an ihrem Schreibtisch. Haken Sie zuerst die Vorbereitung ab, stellen Sie dann die Verbindung her und schalten Sie sie testweise auf „wackelig“. Im Gespräch bittet die Expertin um bestimmte Kameraeinstellungen. Am Ende wird das Ergebnis zurückgelesen und auf beiden Seiten dokumentiert.
Zum Vergleich seitlich wischen. Illustratives Modell ohne Messwerte: Wie lange jeder Abschnitt dauert, hängt von Region, Einrichtung und Fall ab. Der markierte Abschnitt gehört zur aktuellen Phase oben.
Personen und Fall sind erfunden, das Modell ist eine stilisierte Illustration, kein echtes Wundbild. Die Demo zeigt den Ablauf, sie trifft keine medizinische Aussage. Wie Fotos entstehen, die sich für ein Telekonsil eignen, zeigt der Leitfaden Wundfotografie.
Nicht jede Frage braucht einen Besuch, und nicht jede lässt sich per Video beantworten. Ordnen Sie acht typische Situationen ein: gut per Video, besser mit Fotos vorab oder nur vor Ort.
Wohin gehört dieser Fall? Ziehen Sie die Karte in eine Spalte, klicken Sie eine an oder drücken Sie 1, 2, 3.
Fall 1 / 8Die Einordnung ist vereinfacht. Im Einzelfall entscheidet, wer fachlich verantwortlich ist, und im Zweifel gilt: lieber einmal mehr vor Ort.
Ein Telekonsil ist schnell aufgesetzt, Gesundheitsdaten sind es nicht. Diese Punkte gehören geklärt, bevor die erste Verbindung steht:
Gesprochen wird über einen Dienst, der für Videosprechstunden zertifiziert ist. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung führt dazu eine Liste. Allgemeine Konferenz- oder Messenger-Apps sind dafür nicht gedacht.
Die Patientin weiß, wer zuschaut, was gezeigt wird und wozu. Ihre Einwilligung wird dokumentiert, so wie es Ihre Einrichtung festgelegt hat.
Gesundheitsdaten sind nach Art. 9 DSGVO besonders geschützt, und die Schweigepflicht gilt auch am Bildschirm. Wer im Raum ist, ist an der Versorgung beteiligt oder von der Patientin gewünscht.
Fotos und Befunde gehen über KIM, den TI-Messenger oder einen geschützten Zugang zur gemeinsamen Akte, wo die Einrichtung angebunden ist. Nicht per E-Mail, Fax oder privatem Messenger.
Das Gespräch wird nicht mitgeschnitten. In die Akte gehören Befund, Empfehlung, Beteiligte und die nächste Kontrolle.
Ein Gerät, das die Einrichtung verwaltet, mit stabiler Halterung oder einer zweiten Hand, und ohne private Galerie und Cloud-Sicherung nebenbei.
Vereinfacht dargestellt, ersetzt keine Rechtsberatung und keine Einzelfallprüfung. Welche Anforderungen für Ihre Versorgungsform gelten, klären Sie mit Ihrer oder Ihrem Datenschutzbeauftragten. Wie KIM und die übrigen Teile der TI zusammenspielen, zeigt der Leitfaden Telematikinfrastruktur.
Den Videodienst bringen Sie mit oder wählen ihn aus der Liste der zertifizierten Anbieter. Wo wir helfen, ist alles drumherum: Fotos kommen vorab sicher an, das Ergebnis landet strukturiert in den Akten beider Seiten, und die nächste Kontrolle steht fest, statt in einer E-Mail zu verschwinden.
Wir schauen uns an, wie heute Rat geholt wird: per Telefon, Fax, Foto im Messenger oder Hausbesuch. Welche Software ist da, welcher Videodienst, wer ist an KIM oder den TI-Messenger angebunden?
Fotos, Befunde und Konsilberichte ziehen schrittweise in eine gemeinsame Akte in europäischen Rechenzentren, mit Einverständnis und Akzeptanz des Teams. Den Ablauf des Telekonsils legen wir gemeinsam fest.
Erst dann kommt KI dazu, etwa als Entwurf für den Konsilbericht aus Stichpunkten oder als Hinweis auf ein unscharfes Foto vor dem Senden. Eingebettet in Ihre Abläufe, und entscheiden tut ein Mensch.
Für vieles ja, für manches nicht. Verlaufskontrollen bekannter Wunden, Anleitungen und Abstimmungen funktionieren per Video oft gut. Neue Wunden mit unklarer Ursache, Warnzeichen wie Fieber oder stark zunehmende Schmerzen und alles, was man tasten oder messen muss, gehören vor Ort. Die Entscheidung trifft im Einzelfall, wer fachlich verantwortlich ist.
Für Videosprechstunden in der vertragsärztlichen Versorgung einen zertifizierten Videodienstanbieter, die Kassenärztliche Bundesvereinigung veröffentlicht dazu eine Liste. Für Fachberatung zwischen Pflege und Wundexpertin gelten dieselben Maßstäbe an Verschlüsselung und Datenschutz. Allgemeine Konferenz-Apps oder private Messenger sind für Gesundheitsdaten nicht der richtige Weg.
Über einen Weg, der für Gesundheitsdaten gedacht ist: KIM oder den TI-Messenger, wo Ihre Einrichtung angebunden ist, oder einen geschützten Zugang zur gemeinsamen Akte. Wie Sie vergleichbare Fotos machen, zeigt der Leitfaden Wundfotografie.
Nein. Dokumentiert wird das Ergebnis: Befund, Empfehlung, wer beteiligt war und wann die nächste Kontrolle ist. Das gehört in die Akten beider Seiten, nicht ein Mitschnitt.
Nein. Wir bauen um Ihre bestehende Software und Ihren Videodienst herum: Fotos und Ergebnisse fließen in die Akte, Termine und Rückfragen werden einfacher, und das Ergebnis landet dort, wo die Versorgung weitergeht.
Sie möchten Telekonsile in Ihre Wundversorgung einbauen, ohne eine weitere Insel zu schaffen? Erstgespräch vereinbaren