// Leitfaden · KI verstehen

Wie ein Sprachmodell schreibt, und warum es sich manchmal irrt.

Ohne Mathematik: wie ein Sprachmodell Wort für Wort weiterschreibt, was die Temperatur verändert, woher Halluzinationen kommen und warum eigene Quellen und ein Mensch am Ende den Unterschied machen.

sprachmodell: so schreibt es
eingabe    → ihr text, in tokens zerlegtvorhersage → wahrscheinlichkeit für jedes nächste stückauswahl    → die temperatur entscheidet, wie mutigausgabe    → stück für stück, bis zum satzendewissen     → muster aus trainingstexten, keine quelle ✕mit rag    → ihre dokumente als quelle ✓am ende    → ein mensch prüft ✓
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KI ist Statistik über Sprache

Wenn heute von KI die Rede ist, sind meist Sprachmodelle gemeint: Programme, die Texte schreiben, zusammenfassen und Fragen beantworten. Dahinter steckt keine Magie und kein Verstehen im menschlichen Sinn, sondern Statistik über Sprache. Ein Sprachmodell hat beim Training sehr viele Texte gesehen und dabei gelernt, welche Wortstücke in welchem Zusammenhang typischerweise aufeinander folgen.

Beim Schreiben tut es immer dasselbe: Es schaut auf den bisherigen Text, berechnet für jedes mögliche nächste Stück eine Wahrscheinlichkeit, wählt eines aus und hängt es an. Dann beginnt es von vorn, Stück für Stück, bis der Text fertig ist. Das funktioniert erstaunlich gut, weil in den Trainingstexten viel Wissen über Sprache, Fachgebiete und Zusammenhänge steckt.

Wahrscheinlich ist nicht dasselbe wie wahr. Ein Sprachmodell schreibt, was gut klingt und oft auch stimmt. Ob es stimmt, prüft es nicht.

Gelernt aus Texten

Ein Sprachmodell kennt Sprache aus seinen Trainingstexten, nicht aus Erfahrung. Was nach dem Ende dieser Texte passiert ist, weiß es nicht, außer man gibt es ihm mit.

Kein Nachschlagewerk

Es hat keine Kartei mit Fakten, in der es nachsieht. Sein Wissen steckt in Mustern. Darum kann es von sich aus keine Fundstelle nennen.

Kein Verstehen wie bei Menschen

Es hat keine Absicht, kein Gewissen und keine Erfahrung am Patientenbett. Es erkennt Muster in Sprache, und das sehr gut.

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Die Wort-Maschine

Wie das Weiterschreiben funktioniert, zeigt die Wort-Maschine. Sie ist kein echtes Sprachmodell, sondern eine kleine, von Hand geschriebene Tabelle für drei Sätze aus dem Verwaltungsalltag. Das Prinzip ist aber dasselbe: Für jedes nächste Wort gibt es Kandidaten mit Wahrscheinlichkeiten, und ein Würfel entscheidet.

Interaktiv · Wort-Maschine
Satzanfang

DieWundeistseitgestern

Drücken Sie „Nächstes Wort“: Die Maschine würfelt das nächste Wort aus.
1234?
Kandidaten für das nächste WortT 0,70
  1. deutlich40 %
  2. stärker26 %
  3. etwas17 %
  4. gerötet11 %
  5. trocken4 %
  6. verheilt2 %
  7. verreist?!< 1 %
Favorit deutlich · 40 %
0 = sicher · 1,5 = wild

Meist plausibel, ab und zu überraschend. Typisch für Entwürfe.

Fiktive Wahrscheinlichkeiten · von Hand geschrieben, keine echte KI · gleicher Würfel und gleiche Temperatur ergeben denselben Satz

Drei Dinge fallen auf. Die Maschine plant den Satz nicht im Voraus, sie entscheidet immer nur über das nächste Wort, sogar über das Satzende. Auch unwahrscheinliche Wörter können gewinnen, denn gewürfelt wird über alle Kandidaten. Und jeder Satz, der herauskommt, war nur einer von vielen möglichen.

Echte Sprachmodelle wählen aus ihrem gesamten Vorrat an Wortstücken und berechnen die Wahrscheinlichkeiten bei jedem Schritt neu, aus dem ganzen bisherigen Text statt aus einer festen Tabelle. Am Ablauf ändert das nichts.

03

Temperatur: wie mutig gewählt wird

Die Temperatur ist ein Regler, der die Wahrscheinlichkeiten vor dem Würfeln verformt. Bei niedriger Temperatur werden die Favoriten noch stärker, bei hoher Temperatur werden die Unterschiede eingeebnet, und Außenseiter bekommen eine echte Chance. Bei null gewinnt immer das wahrscheinlichste Wort: Derselbe Anfang ergibt dann immer denselben Text. Probieren Sie den Regler in der Wort-Maschine aus und sehen Sie, wie sich die Balken verformen.

vorhersehbar
Niedrig

Gleiche Eingabe, fast gleiche Ausgabe. Passt zu Dokumentation, Zusammenfassungen und Formularen, wo es auf Verlässlichkeit ankommt.

ausgewogen
Mittel

Abwechslungsreich und meist plausibel. Typisch für Entwürfe von Briefen und Beiträgen, die ein Mensch ohnehin überarbeitet.

überraschend
Hoch

Für Ideensammlungen und Formulierungsvarianten. Hier steigt das Risiko für Unsinn deutlich.

In vielen Anwendungen ist die Temperatur fest eingestellt und gar nicht sichtbar. Wichtig ist vor allem eine Einsicht: Auch bei Temperatur null schreibt das Modell, was am wahrscheinlichsten ist, nicht, was nachweislich stimmt. Eine niedrige Temperatur macht Antworten gleichförmiger, nicht richtiger.

04

In Stücken gedacht: Tokens

Sprachmodelle lesen weder einzelne Buchstaben noch unbedingt ganze Wörter, sondern Tokens: Stücke, die beim Training häufig vorkamen. Häufige Wörter sind oft ein einziges Stück, seltene Fachwörter zerfallen in mehrere. Schneiden Sie selbst:

Interaktiv · Token-Schere
Beispiel
Zerlegt in Tokens
DekubitusprophylaxegemäßExpertenstandarddurchgeführt,Lagerungsintervallangepasst.
Zeichen
86
Wörter
6
Tokens
15
Tokens pro Wort
2,5
Kontextfenster · Spielzeuggröße 40 Tokens15 / 40

Fachwörter zerfallen in mehr Stücke als Alltagswörter. Mehr Stücke heißt mehr Rechenarbeit, und viele Dienste rechnen nach Tokens ab.

Vereinfachte Zerlegung zur Veranschaulichung · echte Modelle schneiden anders · Kontextfenster in Spielzeuggröße
Kosten
nach Tokens

Viele KI-Dienste rechnen nach verarbeiteten Tokens ab, für die Eingabe und für die Antwort. Ein langes Dokument kostet mehr als eine kurze Frage.

Kontextfenster
begrenzt

Ein Modell kann nur eine bestimmte Menge Tokens auf einmal berücksichtigen. Was nicht hineinpasst, fällt heraus oder muss vorher ausgewählt werden.

Fachsprache
mehr Stücke

Medizinische Fachbegriffe und Abkürzungen sind in Trainingstexten seltener als Alltagssprache. Sie werden in mehr Stücke zerlegt und sind dem Modell weniger vertraut.

Zahlen
ebenfalls zerlegt

Auch Zahlen werden in Stücke geschnitten. Exaktes Rechnen gehört deshalb nicht in den frei geschriebenen Text, sondern in feste Regeln oder ein Rechenwerkzeug.

05

Halluzinationen, und warum Quellen helfen

Wenn ein Sprachmodell etwas erfindet, das plausibel klingt, aber nicht stimmt, spricht man von einer Halluzination. Das ist kein seltener Defekt, sondern folgt direkt aus dem Prinzip: Das Modell setzt ein, was in ähnlichen Sätzen häufig vorkommt. Eine Zahl, ein Paragraf oder ein Literaturverweis klingt dann genauso selbstsicher wie eine richtige Angabe.

Interaktiv · Halluzination

FrageWie oft muss der Verband laut Expertenstandard gewechselt werden?

Antwort der Maschine · Temperatur 0,7

Noch keine Antwort. Drücken Sie „Antwort schreiben“.

Die entscheidende Stelle: die Zahl
  1. 24 Std.35 %
  2. 48 Std.27 %
  3. 72 Std.20 %
  4. 12 Std.10 %
  5. 8 Std.5 %
  6. 36 Std.4 %
Keine Quelle angeschlossen

Die Maschine schreibt nur aus dem, was in ihren Trainingstexten häufig vorkam. Gelesen hat sie den Standard nicht.

Fiktive Wahrscheinlichkeiten und fiktive Verfahrensanweisung · keine fachliche Empfehlung · vereinfacht

Fragen Sie mehrmals, und Sie bekommen ohne Quelle verschiedene Zahlen, jede gleich selbstsicher formuliert. Die Maschine hat den Expertenstandard nie gelesen. Mit Quelle antwortet sie anders: Sie beruft sich auf das Dokument, das ihr mitgegeben wurde, und die Angabe lässt sich nachprüfen.

Das wichtigste Gegenmittel heißt Retrieval-Augmented Generation, kurz RAG. Übersetzt: erst nachschlagen, dann schreiben. Vor der Antwort sucht ein System in Ihren eigenen, freigegebenen Dokumenten nach passenden Abschnitten und gibt sie dem Modell mit. Das Modell schreibt auf dieser Grundlage und nennt die Fundstelle.

  1. 01

    Nachschlagen

    Die Frage wird mit Ihren freigegebenen Dokumenten abgeglichen: Verfahrensanweisungen, Standards, Verträge. Gefunden werden die passenden Abschnitte.

  2. 02

    Schreiben mit Quelle

    Das Modell bekommt Frage und Abschnitte zusammen. Die Antwort stützt sich auf diesen Text und verweist auf die Stelle, aus der sie stammt.

  3. 03

    Mensch prüft

    Mit der Fundstelle lässt sich die Antwort schnell nachprüfen. Freigegeben wird, was stimmt. Was nicht stimmt, wird korrigiert.

RAG senkt das Risiko, schafft es aber nicht ab. Ein Modell kann eine Quelle falsch wiedergeben, und die Suche kann den falschen Abschnitt finden. Deshalb bleibt der letzte Schritt beim Menschen. Und die Antwort ist nur so gut wie die Dokumente dahinter: Eine veraltete Verfahrensanweisung ergibt eine veraltete Antwort.

06

Was KI im Gesundheitswesen gut kann, und was nicht

Aus dem Prinzip ergibt sich, wofür Sprachmodelle taugen: überall dort, wo ein Entwurf hilft und ein Mensch das Ergebnis schnell prüfen kann. Und wofür nicht: überall dort, wo ein Fehler unbemerkt Schaden anrichten würde.

Gut geeignet
  • Entwürfe. Briefe, Rückfragen an Kostenträger, Stellenanzeigen oder Beiträge im Ton Ihres Hauses, als Vorlage zum Überarbeiten.
  • Zusammenfassen. Lange Verläufe, Protokolle oder Leistungsverzeichnisse auf das Wesentliche gebracht, jede Aussage mit Fundstelle.
  • Sortieren. Posteingang, Anfragen und Bewerbungen nach Thema und Dringlichkeit vorsortiert. Vorsortieren heißt nicht entscheiden.
  • Diktat strukturieren. Gesprochener Text landet geordnet in den passenden Feldern der Dokumentation, zur Bestätigung durch die Person, die diktiert hat.
  • Einfacher formulieren. Informationen für Patientinnen, Patienten und Angehörige in verständlicher Sprache, geprüft von einer Fachkraft.
Nicht ohne Mensch, oder gar nicht
  • Diagnosen und Therapieentscheidungen. Das bleibt bei Ärztinnen, Ärzten und Pflegefachkräften. Software, die für Diagnose oder Therapie bestimmt ist, kann zudem ein Medizinprodukt sein.
  • Fakten ohne Quelle. Paragrafen, Grenzwerte, Dosierungen und Fristen nie ungeprüft übernehmen. Klingt etwas sicher, ist es das noch lange nicht.
  • Exakte Berechnungen. Mengen, Beträge und Abrechnungspositionen gehören in Regeln und Software, nicht in frei geschriebenen Text.
  • Entscheidungen über Menschen. Keine Absage an Bewerbende und keine Bewertung von Mitarbeitenden ohne menschliche Entscheidung.
  • Stille Übernahme. Was in Akte, Abrechnung oder Postausgang geht, hat vorher ein Mensch gesehen und bestätigt.
07

Datenschutz: Gesundheitsdaten sind besonders geschützt

Gesundheitsdaten gehören nach Art. 9 DSGVO zu den besonderen Kategorien personenbezogener Daten. Ihre Verarbeitung ist grundsätzlich untersagt, es sei denn, eine der dort genannten Ausnahmen greift, etwa für Zwecke der Gesundheitsversorgung. Für viele Berufe im Gesundheitswesen kommt die Schweigepflicht dazu. Für den Einsatz von KI heißt das: Wo Patientendaten im Spiel sind, entscheidet nicht die Bequemlichkeit, sondern der Rahmen.

Freie Chatdienste
keine Patientendaten

Was in einen frei zugänglichen Chatdienst getippt wird, landet bei dessen Anbieter. Ob es gespeichert oder weiterverwendet wird, regeln dessen Bedingungen, nicht Sie.

Name weglassen
noch nicht anonym

Auch ohne Namen kann ein Fall über Alter, Wohnort, Diagnose und Datum erkennbar sein. Pseudonymisierte Daten bleiben personenbezogene Daten.

Auftragsverarbeitung
Vertrag nach Art. 28 DSGVO

Verarbeitet ein Dienstleister Daten in Ihrem Auftrag, braucht es einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung. Bei Berufsgeheimnissen kommt die Verpflichtung zur Verschwiegenheit dazu.

Betriebsort
EU-Rechenzentrum oder im Haus

Bei uns laufen Modelle für Gesundheitsdaten in europäischen Rechenzentren oder in Ihrer eigenen Infrastruktur, je nach Schutzbedarf.

Training
nur nach Vereinbarung

Ihre Daten werden nicht zum Training von Modellen verwendet, es sei denn, Sie vereinbaren es ausdrücklich und die Rechtsgrundlage ist geklärt.

Folgenabschätzung
bei hohem Risiko

Wer Gesundheitsdaten in größerem Umfang mit neuen Technologien verarbeitet, muss häufig vorab eine Datenschutz-Folgenabschätzung durchführen.

Vereinfacht dargestellt, ersetzt keine Prüfung im Einzelfall.

Welche Werkzeuge und welche Daten in Ihrem Haus erlaubt sind, regelt am besten eine kurze, klare Richtlinie. Im Leitfaden KI-Richtlinie stellen Sie Ihre zusammen.

08

Wie WUNDigital KI einsetzt

Wir setzen KI selektiv ein: dort, wo sie eine konkrete, wiederkehrende Aufgabe abnimmt und ein Mensch das Ergebnis prüfen kann. Eingebettet in Ihre bestehende Software, mit Ihren Dokumenten als Quelle und mit einem Menschen, der entscheidet. Den EU AI Act denken wir von Anfang an mit: Jede Funktion wird eingestuft und dokumentiert, und Ihr Team wird im Umgang mit KI geschult.

In drei Phasen

01 · ANALYSIEREN

Wir sehen uns an, wo heute Texte geschrieben, gesucht und abgetippt werden, und welche Ihrer Dokumente als Quelle taugen.

02 · MIGRIEREN

Dokumente und Daten ziehen sinnvoll und mit dem Einverständnis Ihres Teams in eine EU-Cloud oder bleiben im Haus. Erst dann sind sie als Quelle erreichbar.

03 · KI GEZIELT INTEGRIEREN

Dann kommen Sprachmodelle dazu: mit Ihren Dokumenten als Quelle, niedriger Temperatur, wo Verlässlichkeit zählt, und einem Menschen, der freigibt.

Mehr zu unserem Vorgehen · KI im Einsatz: ein Blick unter die Haube

09

Häufige Fragen

Versteht ein Sprachmodell, was es schreibt?

Nicht so, wie Menschen verstehen. Es hat aus sehr vielen Texten gelernt, welche Stücke in welchem Zusammenhang wahrscheinlich folgen, und schreibt damit erstaunlich sinnvolle Texte. Eine Absicht, Erfahrung oder eine eingebaute Faktenprüfung hat es nicht.

Warum bekomme ich auf dieselbe Frage verschiedene Antworten?

Weil gewürfelt wird. Bei einer Temperatur über null kann jedes Mal ein anderes Wort gewinnen, und danach verzweigt sich der Text. Bei Temperatur null wird die Antwort gleichförmiger, aber nicht automatisch richtiger.

Lassen sich Halluzinationen ganz verhindern?

Nein. Man kann sie aber seltener machen und abfangen: mit Ihren eigenen Dokumenten als Quelle, einer Fundstelle zu jeder Angabe, festen Regeln, die unabhängig vom Modell prüfen, und einem Menschen, der freigibt.

Dürfen wir Patientendaten in einen KI-Chat eingeben?

In frei zugängliche Chatdienste: nein. Gesundheitsdaten sind besonders geschützt und unterliegen oft der Schweigepflicht. Infrage kommen nur Lösungen mit geklärter Rechtsgrundlage, Vertrag zur Auftragsverarbeitung und Betrieb in der EU oder im eigenen Haus.

Lernt die KI aus unseren Eingaben dazu?

Das Modell selbst verändert sich durch Ihre Eingaben nicht, sein Wissen stammt aus dem Training. Ob ein Dienst Eingaben speichert oder später für das Training nutzt, regeln Anbieter und Vertrag. Bei uns gilt: kein Training mit Ihren Daten ohne ausdrückliche Vereinbarung.

Brauchen wir für KI eine neue Software?

Nein. Wir binden KI-Funktionen an Ihre bestehende Praxis-, Pflege- oder Branchensoftware an und nutzen Ihre vorhandenen Dokumente als Quelle.

Sie möchten wissen, wo KI in Ihrem Haus sinnvoll ist, und wo nicht? Erstgespräch vereinbaren

STAND: OKTOBER 2026DOCS-START← ZUR STARTSEITE