// Leitfaden · Diensthandys sicher

Das Diensthandy: Werkzeug für die Pflege, kein Risiko für die Daten.

Dokumentation unterwegs, Fotos, Nachrichten: Auf Diensthandys und Tablets liegt viel. Richten Sie ein Gerät richtig ein, spielen Sie den Verlust eines Handys durch und nehmen Sie die Regeln fürs Team mit.

diensthandy: kurz gesagt
sperre       → PIN und kurze Sperrzeitspeicher     → verschlüsseltdienstliches → arbeitsprofil, nur freigegebene appswundfotos    → direkt in die akte, nie in die galerieverlust      → melden, sperren, löschen, prüfenverwaltung   → mit betriebsrat oder mav abgestimmt
01

Was heute auf dem Diensthandy liegt

In der ambulanten Pflege ist das Smartphone längst Arbeitsgerät. Dokumentiert wird beim Einsatz, fotografiert wird an der Wunde, abgestimmt wird zwischen zwei Haustüren. Damit trägt jede Pflegekraft einen Teil der Akte in der Jackentasche, in der Straßenbahn, im Auto, im Wartezimmer. Das ist gut für die Versorgung, solange das Gerät so eingerichtet ist, dass ein Verlust kein Datenleck wird.

Dokumentation unterwegs

Leistungsnachweise, Vitalwerte, Wundverlauf und Pflegeberichte, erfasst direkt beim Einsatz.

Wo es hakt

Wer zwischen zwei Einsätzen schnell dokumentiert, lässt das Gerät auch mal entsperrt auf dem Beifahrersitz liegen.

Wundfotos

Bilder für den Verlauf und für die Abstimmung mit Ärztin, Arzt oder Wundexpertin.

Wo es hakt

Mit der normalen Kamera-App landen sie in der Galerie und von dort oft in einer privaten Cloud-Sicherung.

Nachrichten

Rückfragen im Team, Übergaben, kurzfristige Änderungen der Tour.

Wo es hakt

Läuft das über einen privaten Messenger, liegen Gesundheitsdaten bei einem Dienst, mit dem die Einrichtung keinen Vertrag hat.

Tourenplan und Zugänge

Adressen, Schlüsselboxen, Telefonnummern von Angehörigen, Zugänge zur Pflegesoftware.

Wo es hakt

Ein verlorenes Gerät verrät dann nicht nur Diagnosen, sondern auch, wo wer wohnt und wie man hineinkommt.

02

Was der Rahmen verlangt

Ein Gesetz nur für Diensthandys gibt es nicht. Die Pflichten ergeben sich aus dem Datenschutz und, sobald Geräte zentral verwaltet werden, aus dem Arbeitsrecht. Vereinfacht:

Art. 9 DSGVO
Gesundheitsdaten sind besonders geschützt

Wundfotos, Diagnosen und Medikation dürfen nur unter besonderen Voraussetzungen verarbeitet werden, etwa für die Versorgung. Der Schutz auf dem Gerät muss zu diesem Gewicht passen.

Art. 32 DSGVO
Technische und organisatorische Maßnahmen

Dem Risiko angemessen und nach dem Stand der Technik. Genannt werden unter anderem Verschlüsselung und die Fähigkeit, nach einem Zwischenfall wieder handlungsfähig zu sein. Auf dem Handy heißt das vor allem: Sperre, Verschlüsselung, Updates, Fernlöschung.

Art. 28 DSGVO
Apps und Dienste mit Vertrag

Verarbeitet eine App oder ein Cloud-Dienst Daten im Auftrag der Einrichtung, braucht es einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung. Deshalb gehören dienstliche Daten nur in freigegebene Apps.

Art. 33 · 34 DSGVO
Verlust kann eine Datenpanne sein

Sind auf einem verlorenen Gerät Gesundheitsdaten lesbar, ist das meist meldepflichtig: an die Aufsichtsbehörde unverzüglich und möglichst binnen 72 Stunden, bei hohem Risiko auch an die Betroffenen. Wirksame Verschlüsselung kann das Risiko entscheidend senken.

Mitbestimmung
Geräteverwaltung ist Teamsache

Ein MDM-System kann geeignet sein, Verhalten oder Leistung zu überwachen. Dann sind Betriebsrat, Personalrat oder Mitarbeitervertretung zu beteiligen.

BSI
Ein guter Maßstab

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik beschreibt im IT-Grundschutz Anforderungen an Smartphones, Tablets und deren zentrale Verwaltung. Für Arztpraxen konkretisiert zudem die IT-Sicherheitsrichtlinie der KBV Anforderungen, auch an mobile Geräte.

03

Das Gerät einrichten

Neun Einstellungen machen aus einem Smartphone ein Diensthandy, dem man Gesundheitsdaten anvertrauen kann. Keine davon ist exotisch, die meisten setzt ein MDM-System, also eine zentrale Geräteverwaltung, für alle Geräte auf einmal. Probieren Sie es am Gerät aus und schauen Sie, warum jede zählt.

Interaktiv · Gerät einrichten
07:30
Einstellungen
Dienstgerät PD-07 · 0/9 aktiv
Zugang
Profile & Apps
Wartung & Notfall
Teilen & Sichern

Schalten Sie die Einstellungen am Gerät ein, per Klick oder mit Tab und Leertaste. Rechts steht, wofür jede gut ist.

Schutz des GerätsOffen · 0 von 9
○ Bildschirmsperre○ Geräteverschlüsselung○ Fernlöschung (MDM)· die drei für den Verlustfall
Warum?○ aus
Bildschirmsperre

Wer das Gerät findet, kommt ohne PIN nicht an Akten, Fotos und Nachrichten.

Art. 32 DSGVO · Zugangskontrolle
Fiktives Gerät und Betriebssystem · vereinfacht, ersetzt keine Einzelfallprüfung

Für den Verlustfall entscheiden drei Einstellungen: Bildschirmsperre mit kurzer Sperrzeit, Verschlüsselung und Fernlöschung. Die übrigen sorgen dafür, dass dienstliche Daten gar nicht erst dort liegen, wo sie niemand mehr einfangen kann: in der Galerie, im privaten Messenger, in einer privaten Sicherung.

04

Handy verloren: die ersten Schritte

Geräte gehen verloren, das lässt sich nicht verhindern. Entscheidend ist, dass alle wissen, was dann passiert, und dass es schnell geht. Im Spiel oben sehen Sie, wie unterschiedlich derselbe Morgen ausgehen kann.

  1. 01

    Sofort melden

    Wer den Verlust bemerkt, meldet ihn der Leitung, auch nachts und auch beim bloßen Verdacht. Je früher, desto mehr lässt sich noch tun.

  2. 02

    Sperren und löschen

    Über das MDM-System wird das Gerät gesperrt und, wenn es nicht wieder auftaucht, aus der Ferne gelöscht. Dienstliche Zugänge werden zurückgesetzt.

  3. 03

    Prüfen und dokumentieren

    Die Datenschutzbeauftragte bewertet das Risiko: Was war darauf, war es verschlüsselt? Danach wird entschieden, ob gemeldet werden muss. Dokumentiert wird jeder Fall.

Wie Meldekette, Fristen und Dokumentation im Ernstfall zusammenspielen, zeigt der Leitfaden zum Notfallplan.

05

Privat oder dienstlich?

Die wichtigste Grenze verläuft nicht zwischen Geräten, sondern zwischen Daten. Ob das Handy der Einrichtung gehört oder der Pflegekraft: Klientendaten gehören in einen verwalteten Bereich, Privates bleibt privat.

Unsere Empfehlung für Gesundheitsdaten
Dienstliches Gerät

Die Einrichtung stellt das Gerät, verwaltet es und kann es im Verlustfall löschen. Schutz, Updates und Apps lassen sich für alle gleich regeln. Private Nutzung kann sie über ein eigenes Privatprofil erlauben.

Möglich, aber heikler
Privates Gerät (BYOD)

Mit Arbeitsprofil und klaren Vereinbarungen lässt es sich regeln. Doch die Einrichtung greift in ein privates Gerät ein, ihre Kontrolle hat Grenzen, und Mitarbeitende tragen Kosten und Risiko mit.

Wohin gehört was? Sortieren Sie acht Fälle aus dem Alltag:

Interaktiv · Sortieren
Fall 1 von 80 richtig
Die Doku-App des Pflegedienstes

Wohin gehört das? Wählen Sie unten einen Bereich.

        Annahme: Diensthandy mit Arbeits- und Privatprofil, private Nutzung erlaubt · fiktive Fälle
        06

        Mitbestimmung und Regeln fürs Team

        Ein MDM-System sieht, welche Geräte es gibt, welche Apps darauf laufen und, je nach Einstellung, auch Standort oder Nutzungszeiten. Damit kann es geeignet sein, Verhalten oder Leistung der Beschäftigten zu überwachen. Gibt es einen Betriebsrat, bestimmt er bei der Einführung mit (§ 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG). Ob die Einrichtung tatsächlich überwachen will, spielt dafür keine Rolle. In kirchlichen Einrichtungen gilt Entsprechendes für die Mitarbeitervertretung, im öffentlichen Dienst für den Personalrat.

        Praktisch heißt das: eine Vereinbarung, die festlegt, was das System erfasst, wer es einsehen darf und wofür es nicht verwendet wird, zum Beispiel keine Ortung zur Leistungskontrolle. Das schafft Vertrauen, und ohne Vertrauen werden Diensthandys umgangen.

        regeln fürs team
        01Dienstliches nur im Arbeitsprofil, nur in freigegebenen Apps02Wundfotos nur mit der Doku-App, nie mit der Kamera-App03Keine Klientendaten in private Messenger, Notizen oder Mails04Gerät nie entsperrt liegen lassen, PIN mit niemandem teilen05Verlust sofort melden, auch nachts, auch beim Verdacht06Updates zulassen, das Gerät regelmäßig neu starten07Beim Austritt: Gerät zurück, Konten raus, zurücksetzen
        07

        Wo die Module ansetzen

        08

        So gehen wir vor

        01 · ANALYSIEREN

        Wir nehmen auf, welche Geräte im Einsatz sind, welche Apps darauf laufen und wo Fotos und Nachrichten heute landen: privat oder dienstlich, verwaltet oder nicht.

        02 · MIGRIEREN

        Dokumentation und Fotos ziehen schrittweise in eine Doku-App mit Ablage in einer EU-Cloud, die Geräte in eine zentrale Verwaltung. Mit dem Einverständnis der Mitarbeitenden und abgestimmt mit der Interessenvertretung.

        03 · KI GEZIELT EINSETZEN

        Erst dann kommt KI dazu, etwa Diktat statt Tippen in der Doku-App, auf dem verwalteten Gerät und nur mit freigegebenen Diensten.

        Mehr zu unserem Vorgehen

        09

        Häufige Fragen

        Dürfen Mitarbeitende ihre privaten Handys für die Dokumentation nutzen?

        Möglich ist es, wenn die Einrichtung es regelt: mit getrenntem Arbeitsprofil, Verwaltung des dienstlichen Bereichs und einer klaren Vereinbarung. Für Gesundheitsdaten empfehlen wir dienstliche Geräte, weil sich Schutz, Kontrolle und der Verlustfall dort einfacher und sauberer regeln lassen.

        Sieht die Einrichtung über das MDM-System private Inhalte?

        Bei einem sauber eingerichteten Arbeitsprofil verwaltet die Einrichtung nur den dienstlichen Bereich. Was das System erfasst und wer es sehen darf, gehört transparent in die Regeln fürs Team und in die Vereinbarung mit Betriebsrat, Personalrat oder Mitarbeitervertretung.

        Ist jedes verlorene Diensthandy eine meldepflichtige Datenpanne?

        Nicht automatisch. Es kommt auf das Risiko für die Betroffenen an. War das Gerät gesperrt, wirksam verschlüsselt und wurde es gelöscht, kann eine Meldung entbehrlich sein. Prüfen und dokumentieren müssen Sie jeden Fall, am besten gemeinsam mit Ihrer Datenschutzbeauftragten. Das ersetzt keine Einzelfallprüfung.

        Was passiert mit dem Gerät, wenn jemand das Team verlässt?

        Gerät zurück, dienstliche Konten und Zugänge entfernen, Arbeitsprofil löschen oder das Gerät zurücksetzen, dann neu zuweisen. Am besten als fester Ablauf, der mit dem Austritt automatisch startet, damit kein Gerät mit alten Daten in einer Schublade liegt.

        Ersetzt WUNDigital unsere Pflegesoftware oder Geräteverwaltung?

        Nein. Wir bauen um Ihre bestehende Software herum. Bei mobilen Geräten heißt das: Wir schauen, wie Doku-App, Fotos und Nachrichten mit Ihrer Software zusammenspielen, und helfen, Geräte, Ablage und Regeln so aufzusetzen, dass Ihr Team gut damit arbeiten kann.

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