// Leitfaden · Cloud-Migration

In die Cloud, Schritt für Schritt und mit dem Team.

Was zieht um, was bleibt im Haus, und in welcher Reihenfolge? So migrieren wir sinnvoll: Bestand aufnehmen, Schutzbedarf einordnen, mit dem Team planen, im Parallelbetrieb testen und erst dann umschalten.

umzug: schritt für schritt
01bestand      → systeme, daten, schnittstellen, papier02schutzbedarf → normal · hoch · sehr hoch03betrieb      → eu-cloud · private cloud · on-prem · hybrid04team         → mitarbeitende + betriebsrat / mav, früh05wellen       → wenig risiko, viel nutzen zuerst06umschalten   → parallelbetrieb · rückfallplan07abschalten   → archivieren · löschen mit nachweis08danach       → ki, gezielt
01

Gewachsen, nicht geplant

Kaum eine Einrichtung hat ihre IT am Reißbrett entworfen. Sie ist gewachsen: mit jeder neuen Anforderung ein Programm, mit jedem neuen Standort ein Laufwerk, mit jeder Lücke ein Zettel. Das funktioniert, solange die Menschen, die es zusammenhalten, im Haus sind. In Pflegediensten, Pflegeeinrichtungen und Praxen sieht das oft so aus:

Der Server im Keller

Einmal angeschafft, seitdem gewartet, wenn jemand Zeit hat. Wer unterwegs ist, kommt nicht an die Daten, und ob das Backup taugt, weiß niemand genau.

Das Laufwerk mit den Ordnern

Dienstpläne, Vorlagen, Wundfotos, Bewerbungen: alles in Ordnern, deren Struktur nur zwei Menschen im Haus verstehen.

Postfächer als Ablage

Befunde, Rechnungen und Bewerbungen liegen in Mails, teils in Sammelpostfächern, auf die viele Zugriff haben.

Papier und Fax dazwischen

Arztbriefe kommen per Fax, Pläne hängen am Brett, Übergaben stehen auf Zetteln. Diese Wege tauchen in keiner Systemliste auf.

Die Cloud ist kein Selbstzweck. Sie lohnt sich dort, wo sie Zugriff von unterwegs, verlässliche Backups und weniger Wartung im Haus bringt. Was vor Ort besser aufgehoben ist, bleibt vor Ort.

02

Bestand aufnehmen, Schutzbedarf einordnen

Jede Migration beginnt mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme. Wir sehen uns nicht nur die Systemliste an, sondern begleiten Ihr Team im Alltag, denn die wichtigsten Datenwege stehen selten in einer Dokumentation.

BESTAND · 01
Systeme

Pflege- oder Praxissoftware, Abrechnung, Dienstplanung, Office, Mail, Telefonie. Wer betreibt sie, wie alt sind sie, was kosten sie im Betrieb?

BESTAND · 02
Daten

Welche Daten liegen wo, wie viele, wie alt, und wer braucht sie? Welche Aufbewahrungsfristen gelten, und was dürfte längst gelöscht sein?

BESTAND · 03
Schnittstellen

Was hängt woran: Abrechnung an der Pflegesoftware, Labor an der Praxissoftware, die Telematikinfrastruktur am Konnektor. Jede Verbindung muss den Umzug überleben.

BESTAND · 04
Papier und Nebenwege

Fax, Zettel, Excel auf dem Desktop, Fotos auf Diensthandys. Gerade die inoffiziellen Wege zeigen, wo das System heute nicht reicht.

Dann ordnen wir jede Datenablage einer Schutzbedarfskategorie zu. Wir orientieren uns an der bewährten Dreiteilung aus dem IT-Grundschutz, hier vereinfacht. Liegen verschiedene Daten zusammen, etwa in einem Postfach, zählt der sensibelste Inhalt.

Normal
Schaden begrenzt und überschaubar

Etwa Artikelstämme, Schulungsunterlagen, Website-Texte, Dienstpläne ohne Gesundheitsangaben.

Hoch
Schaden beträchtlich

Etwa Personal- und Bewerbungsdaten, Abrechnungsdaten, Arztbriefe: Gesundheitsdaten zählen nach Art. 9 DSGVO zu den besonders geschützten Daten.

Sehr hoch
Schaden kann existenziell werden

Etwa umfangreiche Gesundheitsdaten mit Fotos über viele Jahre, deren Verlust oder Veröffentlichung Betroffene und Einrichtung schwer trifft.

03

Die Schutzbedarfs-Treppe

Aus dem Schutzbedarf folgt das Betriebsmodell. Vier Möglichkeiten stehen zur Wahl, und sie schließen sich nicht aus:

EU-Cloud
Geteilt · Rechenzentrum in der EU

Wenig eigener Aufwand, Updates und Backups inklusive. Für Gesundheitsdaten nur mit den passenden Nachweisen des Anbieters.

Private Cloud in der EU
Dediziert · nur für Sie

Dedizierte Server oder eine abgeschottete Umgebung: mehr Kontrolle über Standort, Zugriffe und Konfiguration, mit dem Komfort eines Rechenzentrums.

On-Premises
Im eigenen Haus

Die Daten verlassen das Haus nicht. Dafür brauchen Sie Raum, Strom, Kühlung, Zugangsschutz und jemanden, der sich kümmert.

Hybrid
Kombiniert · je nach Daten

Etwa die sensible Akte im Haus oder in der Private Cloud, Dienstplan und Lager in der EU-Cloud. In der Praxis oft die sinnvollste Lösung.

Probieren Sie es an einer fiktiven Pflegeeinrichtung aus: Stellen Sie zehn Datenablagen auf die Treppe. Jede Stufe zeigt, welche Betriebsmodelle passen. Der Vorschlagsmodus erklärt, warum eine Ablage wohin gehört. Ist alles eingeordnet, fließen die Ablagen in drei Migrationswellen, und jede Welle braucht das Okay des Teams.

Interaktiv · Leitfaden

Stellen Sie jede Ablage auf die passende Stufe. Ziehen, oder antippen und eine Stufe wählen.

Vereinfachte Einordnung · der Schutzbedarf wird im Projekt gemeinsam festgelegt
ABLAGE · 10
Stufe 1 · normal
Schaden begrenzt und überschaubar
  • passt: EU-Cloud
  • möglich: Private Cloud EU
  • möglich: On-Premises
  • passt: Hybrid
EU-Rechenzentrum mit AVV genügt.
Stufe 2 · hoch
Schaden beträchtlich, etwa für Betroffene
  • passt: EU-Cloud
  • passt: Private Cloud EU
  • möglich: On-Premises
  • passt: Hybrid
EU-Cloud mit Testat, etwa C5, oder dediziert.
Stufe 3 · sehr hoch
Schaden kann existenziell werden
  • eher nicht: EU-Cloud
  • passt: Private Cloud EU
  • passt: On-Premises
  • passt: Hybrid
Dediziert, im Haus oder hybrid. Öffentliche Cloud nur mit Zusatzschutz.
BODEN · NICHT UMZIEHEN
Tippen Sie eine Ablage an, um zu sehen, was darin liegt. Mit „Vorschlag zeigen“ sehen Sie unsere Einordnung samt Begründung.
0 / 10 EINGEORDNET
Fiktive Datenablagen einer Pflegeeinrichtung · vereinfacht, ersetzt keine Einzelfallprüfung
04

Das Team entscheidet mit

Ein Umzug verändert den Arbeitsalltag: neue Anmeldung, neue Ablage, neue Wege. Deshalb planen wir ihn mit den Mitarbeitenden, nicht für sie. Ohne ihr Einverständnis zieht nichts um.

Früh fragen, nicht spät erklären

Mitarbeitende aus allen Schichten und Bereichen sitzen schon bei der Bestandsaufnahme mit am Tisch. Sie kennen die Nebenwege, die in keiner Liste stehen.

Betriebsrat oder MAV von Anfang an

Neue Systeme erfassen oft Daten, die Rückschlüsse auf Verhalten oder Leistung erlauben. Die Interessenvertretung wird deshalb nicht erst vor dem Start informiert, sondern plant mit.

Jede Welle hat Gesichter

Eine Pilotgruppe pro Welle testet im echten Dienst, Kümmerer in jeder Schicht beantworten Fragen. Ein skeptischer Blick in der Pilotgruppe ist ausdrücklich erwünscht.

Der Rückweg ist bekannt

Alle wissen, was passiert, wenn es hakt. Ein bekannter Rückfallplan nimmt mehr Angst als jede Präsentation.

Wie Pilotgruppen, Kümmerer und Schulungen im Detail funktionieren: Leitfaden „Team mitnehmen“

05

Umziehen in Wellen

Schrittweise statt Big Bang. Jede Welle durchläuft dieselben Schritte, und erst wenn eine Welle im Alltag trägt, beginnt die nächste.

  1. 01

    Wellenplan festlegen

    Welche Ablage zieht wann um, wer ist Pilotgruppe, wann wird geschult? Wenig Risiko und viel Nutzen zuerst, das Sensibelste zuletzt, mit allen Erfahrungen aus den ersten Wellen.

  2. 02

    Parallelbetrieb und Testphase

    Das neue System läuft neben dem alten. Die Pilotgruppe arbeitet mit echten Abläufen, Daten werden abgeglichen: Ist alles angekommen, stimmen Zuordnungen, Rechte und Schnittstellen?

  3. 03

    Umschalten mit Rückfallplan

    Umgeschaltet wird an einem ruhigen Tag, nicht zum Monatsabschluss. Vorher steht fest, woran ein Abbruch erkannt wird, wer ihn entscheidet und wie es zurückgeht.

  4. 04

    Alte Systeme sauber abschalten

    Zugänge sperren, Schnittstellen kappen, Lizenzen und Wartungsverträge kündigen. Was noch aufbewahrt werden muss, wird archiviert, statt das Altsystem einfach weiterlaufen zu lassen.

  5. 05

    Daten löschen mit Nachweis

    Was nicht mehr gebraucht wird und keiner Frist mehr unterliegt, wird auf Altsystemen, Sicherungen und Datenträgern gelöscht, und die Löschung wird dokumentiert.

Die letzten beiden Schritte werden am häufigsten vergessen. Dann läuft der alte Server „für alle Fälle“ weiter, mit Daten, die niemand mehr pflegt, und Konten, die niemand mehr kontrolliert. Die Reihenfolge beim Abschalten zählt:

Interaktiv · Altsystem
SRV-KELLER-01✢
KONTEN
SCHNITTSTELLEN
DATEN · AKTIVOrdner & Akten
PLATTEN · BACKUP
NETZTEIL

Schalten Sie den alten Server ab. Die Reihenfolge zählt.

Fiktives Beispiel · vereinfacht
Typische Stolperfallen

Die meisten Migrationen scheitern nicht an der Technik, sondern an Dingen, die vorher niemand aufgeschrieben hat:

Alles auf einmal

Der große Umzug an einem Wochenende klingt effizient. Hakt am Montag etwas, steht der ganze Betrieb, und das Vertrauen des Teams ist schwer zurückzugewinnen.

Nebenwege vergessen

Die Excel-Liste auf dem Desktop der Pflegedienstleitung und die Fotos auf dem Diensthandy ziehen nicht von allein mit. Sie fehlen dann im neuen System.

Rechte einfach kopiert

Wer alte Sammelkonten und Ordnerrechte eins zu eins übernimmt, nimmt auch alte Lücken mit. Der Umzug ist die Gelegenheit, Rollen neu zu ordnen.

Schnittstellen übersehen

Die Abrechnung hängt an der Pflegesoftware, das Labor an der Praxis. Wird eine Verbindung vergessen, fällt es erst auf, wenn Daten fehlen.

Kein Weg zurück

Ohne getestetes Zurückschalten wird aus einem kleinen Fehler ein großer. Der Rückfallplan wird geprobt, nicht nur geschrieben.

Ohne Ausstieg

Kann man die Daten in einem offenen Format wieder herausholen? Wer das vor dem Vertrag nicht klärt, sitzt später beim Anbieter fest.

06

Der rechtliche Rahmen, vereinfacht

Was beim Umzug in die Cloud rechtlich zählt, in Kürze. Die Übersicht ist bewusst vereinfacht und ersetzt keine Einzelfallprüfung; die Details klären wir gemeinsam mit Ihren Datenschutzbeauftragten.

Vertrag
AVV vor dem ersten Datensatz

Der Cloud-Anbieter verarbeitet in Ihrem Auftrag. Dafür braucht es einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung: nur auf Weisung, mit offengelegten Unterauftragnehmern und Rückgabe oder Löschung am Ende.

Standort
EU-Rechenzentrum

Liegen die Daten in der EU und greift niemand aus einem Drittland darauf zu, auch nicht über Support oder Unterauftragnehmer, entfällt eine Drittlandübermittlung mit ihren zusätzlichen Anforderungen.

Gesundheitsdaten
Cloud nur mit Testat

Verarbeiten Leistungserbringer der gesetzlichen Krankenversicherung oder Kassen Gesundheits- und Sozialdaten in der Cloud, verlangt § 393 SGB V ausdrücklich Nachweise vom Anbieter: ein aktuelles Testat nach dem C5-Kriterienkatalog des BSI oder ein Testat oder Zertifikat mit vergleichbarem Sicherheitsniveau. Welche Anforderungen für Ihre Einrichtung genau gelten, prüfen wir im Einzelfall.

Schweigepflicht
Dienstleister verpflichtet

Wer an der IT mitwirkt, wird zur Verschwiegenheit verpflichtet. Das gehört in den Vertrag, bei jedem Betriebsmodell.

Aufbewahrung
Fristen ziehen mit um

Dokumentationen müssen oft viele Jahre aufbewahrt werden. Beim Umzug wandern die Fristen mit, und gelöscht wird erst, wenn sie abgelaufen sind.

Mitbestimmung
Betriebsrat oder MAV

Systeme, die Verhalten oder Leistung der Beschäftigten erfassen können, sind in aller Regel mitbestimmungspflichtig. Die Bewertung im Einzelfall gehört in juristische Hände.

Wie die Daten danach geschützt sind, Schicht für Schicht: Leitfaden „Sicherheit & Datenschutz“

07

Wo die Module ansetzen

08

Erst danach: KI, gezielt

Die Migration ist die zweite von drei Phasen. Erst wenn die Daten geordnet, sicher und für das Team erreichbar liegen, lohnt sich KI: Sie kann nur mit dem arbeiten, was sie findet, und sie wird nur genutzt, wenn das Team dem System schon vertraut.

01 · ANALYSIEREN

Bestand aufnehmen, Schutzbedarf einordnen, Betriebsmodell wählen: gemeinsam mit den Menschen, die täglich mit den Daten arbeiten.

02 · MIGRIEREN · HIER

In Wellen, im Parallelbetrieb und mit Rückfallplan, in die EU-Cloud oder auf Ihre Server, mit dem Einverständnis und der Akzeptanz der Mitarbeitenden.

03 · KI GEZIELT INTEGRIEREN

Erst wenn die Daten geordnet und sicher liegen: KI dort, wo sie eine konkrete Aufgabe abnimmt, mit Modellen, die zum Schutzbedarf passen.

Wie wir KI einsetzen · Mehr zu unserem Vorgehen

09

Häufige Fragen

Muss bei uns alles in die Cloud?

Nein. Die Schutzbedarfs-Treppe zeigt es: Für manche Daten passt die EU-Cloud, für andere eine Private Cloud oder der Betrieb im Haus. Oft ist eine Mischung am sinnvollsten. Was vor Ort bleiben soll, bleibt vor Ort.

Ersetzen Sie dabei unsere Pflege- oder Praxissoftware?

Nein. Ihre Fachsoftware bleibt. Wir kümmern uns um das, was um sie herum liegt: Ablagen, Postfächer, Server, Schnittstellen und Papierwege. Bietet Ihr Softwarehersteller selbst einen Cloud-Betrieb an, beziehen wir das in die Planung ein.

Steht der Betrieb während der Umstellung still?

Nein. Wir ziehen in Wellen um, das alte System läuft im Parallelbetrieb weiter, und für jedes Umschalten gibt es einen Rückfallplan. Umgeschaltet wird an einem ruhigen Tag, nicht zum Monatsabschluss.

Was passiert mit den Daten auf dem alten Server?

Was weiter aufbewahrt werden muss, wird archiviert. Was keiner Frist mehr unterliegt, wird gelöscht, auch auf Sicherungen und alten Datenträgern, und die Löschung wird dokumentiert. Danach wird das Altsystem abgeschaltet, statt jahrelang mitzulaufen.

Was, wenn das Team nicht mitziehen will?

Dann reden wir zuerst über die Gründe und gehen langsamer. Ohne das Einverständnis der Mitarbeitenden zieht nichts um. Pilotgruppen, Schulung in der Dienstzeit und ein bekannter Rückweg helfen mehr als Überzeugungsarbeit.

Wann kommt die KI?

Erst nach der Migration. KI braucht geordnete, sicher abgelegte Daten und Abläufe, die das Team trägt. Dann setzen wir sie gezielt dort ein, wo sie eine konkrete Aufgabe abnimmt.

Sie überlegen, was bei Ihnen in die Cloud ziehen sollte und was nicht? Erstgespräch vereinbaren

STAND: OKTOBER 2026DOCS-START← ZUR STARTSEITE